Lebenslauf

WANG Fang, geboren 1963, wuchs in Beijing in einer Familie auf, die seit drei Generationen Ingenieure hervorgebracht hatte. Ihre Schulausbildung in den 70er und 80er Jahren stand sehr unter dem Einfluss der Kulturrevolution. Nach einem ersten Hochschulstudium in Beijing war sie acht Jahre im nationalen Ministerium für Wissenschaft und Forschung tätig. Doch dann wollte sie ihren Horizont zu erweitern und sie entschied sich im Jahre 1994 nach Deutschland und später nach England zu gehen. Sie wollte Europa kennen lernen und sich dort weiter qualifizieren. Seitdem lebt sie in Deutschland, kehrt aber regelmäßig nach China zurück.

Wenn immer sie nach Beijing zurückkehrt, und die kontinuierliche Veränderung der Lebensräume in ihrer Heimatstadt feststellt, ist sie erstaunt, verwundert und oft auch geschockt von der Geschwindigkeit der baulichen Veränderungen. Gelegentlich fühlte sie sich sogar verloren, weil sie vertraute Orte und Zeichen nicht wieder findet. Zuerst dokumentierte sie nur diese Veränderungen, dann bekam sie mehr und mehrt Interesse an Fotografie als Kunst.

Ihre fotografische Arbeit konzentriert sich auf die Veränderungsprozesse der Lebensräume der Bewohner von Beijing. Wenn sie bei ihren regelmäßigen Besuchen traditionelle Quartiere und Strassen erkundet, entdeckt sie das allmähliche Verschwinden von Bauten und Straßenräumen, die ihr aus der Zeit ihrer Jugend so vertraut waren, und die dem Fortschritt der Modernisierung der Gesellschaft und dem Konsum geopfert wurden. Ihre Augen bleiben oft an Details der Veränderungen der Lebensräume hängen, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind, oder an Personen, die an den Veränderungsprozessen mitwirken, oder davon betroffen sind.

Wenn Wang Fang Städte in Europa erkundet, sucht sie nach Zeichen der Verschmelzung von europäischen und asiatischen Welten und Lebensstilen, und beobachtet den Einfluss globaler Konsumwelten auf lokale Lebensräume. Ihr besonderes sozial motiviertes Interesse finden dabei die sich in Europa immer mehr herausbildenden chinesischen Quartiere neuer Art, nicht traditionelle China towns, sondern, Quartiere in denen chinesische Familien leben und arbeiten, und wo sie sich schrittweise europäische Architektur auf ihre Bedürfnisse hin aneignen.

Die Olympischen Spiele 2008 in Beijing waren ein besonderer Anlass, die baulichen und sozialen Transformationen der Stadt zu fotografisch zu dokumentieren. Nicht die olympischen Spielstätten stehen dabei im Zentrum ihres Interesses, sondern die Menschen im Umfeld der Spielstätten, sowohl die Wanderarbeiter, wie die chinesischen Touristen.  Besonders schmerzt sie die Zerstörung der ihr so vertrauten Qianmen Strasse im Herzen der Stadt, die von einem chinesisch-amerikanischen Architektenteam in eine chinesisch dekorierte main street à la Disney umgewandelt wurde, um einheimische und internationale Touristen zu einem sicheren Stadtbummel zu verlocken.

Mirror Beijing, der Titel der Ausstellung im DEPOT in Dortmund bezieht sich auf die Ambitionen von WANG Fang die ständigen Veränderungen wie in einem Spiegel zu reflektieren. Die fotografischen Anzeichnungen vor und nach der Olympiade, dokumentieren Spuren der sozialen, wirtschaftlichen und architektonischen Veränderungen der Stadt. Sie spiegeln die neue Realität der Moderne in der Hauptstadt Chinas.

WANG Fang lebt in Potsdam und Beijing.

(fkwang@t-online.de)